Galileo Galilei
Man kann einen Menschen nichts lehren. Man kann ihm nur helfen, es in sich selbst zu entdecken.

Archiv für die Kategorie „LERNEN im Alter“

Wenn die eigenen Ziele im Alltag stecken bleiben

Während seines Vortrages am 2.9.09 in Braunschweig konfrontierte Prof. Gerald Hüther seine Zuhörer mit der Aussage, dass auch ein 85jähriger Chinesisch lernen kann, wenn die Motivation stimmt. Wäre in diesem Fall die Motivation eine junge chinesische Frau, wäre der Mann in diese Frau verliebt und würde er ihr nach China folgen, dann könne auch er innerhalb eines Jahres Chinesisch sprechen. Das Gehirn ist lernfähig bis ins hohe Alter !!! Doch die Motivation muss stimmen, sonst haben gerade alte Menschen keine Lust mehr, etwas Neues zu lernen.

Alles ist also eine Frage der Motivation. Das Gehirn ist nicht schuld, wenn es mit dem LERNEN nicht klappt. Meine Motivation Englisch zu lernen war eingeschlafen. Durch einen überraschenden Krankenhausaufenthalt und die Folgen der Narkose (Man sollte wirklich einmal untersuchen, welche Langzeitwirkung eine Narkose auf die geistige Klarheit hat), hatte ich mein Amerika-Projekt in Frage gestellt.

Endlich ein Silberstreifen am Horizont. Und plötzlich sieht die Welt wieder ganz anders aus. Was freudige Botschaften doch so alles bewirken können. Nun sind es nur noch 4 Wochen und die Reise wird beginnen – eine andere Reiseroute, andere Reisepartner, doch das gleiche Ziel: Mehr über die Native Americans zu erfahren.

Manchmal geht die Motivation beim LERNEN schlafen. Was war der ursprüngliche Beweggrund für das Lernvorhaben? Habe ich mein Ziel noch vor Augen?

Lebenslanges LERNEN …

Nachdem ich mit Jan-Hendrik darüber diskutiert hatte, warum es in unserem Alter so schwierig ist, die Vokabeln zu behalten, ging mir der Gedanke „Anders LERNEN im Alter“ nicht mehr aus dem Kopf. Als ich vor vielen Jahren im Studium mit dem Thema „Lernen im Alter“ konfrontiert wurde, war es Zeitgeist, zu glauben „Jenseits der 40 ist alles vorbei.“

„Lernen findet ein Leben lang statt!“ behauptete die Dozentin damals und wählte als Beispiel eine Seniorin, die im Alter von 80 Jahren noch das Fahren mit dem Fahrstuhl lernt.
Mit Prof. Dr. Ursula Lehr (Altersforscherin) rückte das Thema „Gerontologie“ ins öffentliche Interesse und allmählich begann sich das Bild vom ALTERN in der Gesellschaft zu wandeln. 

Heute erinnert sich die gleiche Gesellschaft wieder an das große Potential des Alters. Nicht nur wegen des demografischen Wandels und des drohenden Fachkräftemangels ist das Wissen der älteren Menschen wieder gefragt. 

„Mit dem Alter nehmen Erfahrungen, Sozialkompetenzen, kommunikative Fähigkeiten und Selbststeuerungsfähigkeiten zu. Dies zeigt Vorteile bei Beratungen, Verhandlungen und Konfliktlösungen. Erfassung und Beurteilung komplexer Arbeitsinhalte und –zusammenhänge werden erleichtert. Einscheidungen werden fundierter vertreten und umgesetzt, eigene Möglichkeiten und Grenzen besser eingeschätzt. Die Bereitschaft für zeitlich und räumlich begrenzter Einsätze wächst.

Ältere behalten die Fähigkeit, sich psychischen und physischen Anforderungen anzupassen. Unterhalb der Dauerleistungsgrenze ist die körperliche und psychische Belastung kaum eingeschränkt. Bei ausreichenden Erholungsphasen gilt dies auch für die Konzentrationsfähigkeit und den Wissensgebrauch.

Bei gleichzeitiger Ausbildung effektiver, individueller Lernstrategien und hinreichender Übung ist auch die Lernfähigkeit nicht begrenzt.

Bei 65-jährigen sind nur 10% des Leistungsabfalls auf biologische Alterungsvorgänge zurückzuführen, mehr als 90% auf Übungsverlust, Trainingsmangel und Demotivation.“

(Quelle: Demografischer Wandel: Eine Herausforderung für die VBG von Dr. med. Jens Petersen, Sicherheitsreport 3/2008). 

Alles also nur eine Frage der Strategie?
Wieder rücken Selbstverantwortung und Selbstmanagement beim LERNEN in den Mittelpunkt. 

Fest steht jedenfalls: Ältere lernen anders als junge Menschen, schon allein, weil sie in einer ganz anderen Gesellschaft aufgewachsen sind und durch diese Sozialisation die für das Lernen spezifischen Schaltungen im Gehirn anders verknüpft sind.

90 % der Schwierigkeiten beim Lernen im Alter beruhen auf mangelnde Übung!

Wer es also immer noch nicht wahrhaben wollte: Übung macht den Meister.